Bk Geschichte

Bk - Geschichte

Über die „Kanonenbahn“, die Eisenbahnstrecke von Berlin nach Wetzlar gibt es einige interessante Literatur*, daher möchte ich hier nicht weiter auf die Entstehung, den Trassenverlauf und den Bau der Strecke eingehen. Der Streckenabschnitt Sandersleben – Blankenheim (Tr) wurde im Jahr 1879 eröffnet. Zu dieser Zeit gab es schon Blockstellen, die beginnend in Berlin, einfach mit Nummern bezeichnet wurden. Wie diese Blockstellen vom Gebäude her aussahen, konnte ich bislang nicht ergründen. Block Thondorf wurde damals einfach als Posten/Block 136 bezeichnet und wird offiziell erst 1926 als Blockstelle Thondorf aufgeführt.

Anfang/Mitte der 1920er Jahre wurden die bisherigen Blockstellen neu geordnet und durch Neubauten ersetzt bzw. einige auch ganz aufgelassen. Die „neue“ Blockstelle Thondorf wurde im Streckenkilometer 175,83 errichtet. Zu dieser Zeit erhielten alle Blockstellen anstelle der bisherigen Nummer auch ihre Namen, oft nach Orten in der Nähe bzw. lokalen Geländebezeichnungen. So liegt Bk Heidelberg oberhalb der Dorfes Groß Schierstedt, auf dem HEIDELBERG. Und Block Wickenhof stand am Dorfrand von Drohndorf, am Beginn eines kleinen Seitentales der Wipper, dem „WICKENHOF". Hingegen wurde Block Rathmannsdorf, Wiederstedt und Thondorf nach den Dörfern in der Nähe benannt.

Gleislage

Beim Bau der Strecke wurde diese von Anfang an zweigleisige ausgeführt, verlor jedoch wie fast alle Strecken bei der DR-Ost nach 1945 ein Gleis als Reparationsleistung in Richtung Osten. Direkt am Blockstellengebäude beginnt bergauf in Fahrtrichtung Klostermansfeld gesehen eine leichte Rechtskurve. Auf dem Foto von 1979 liegt das Gleis auf dem rechten Planum in Fahrtrichtung Hettstedt. Mitte der 1980er Jahre wurde auf dem bis dahin ungenutzten ehemaligen zweiten Planum ein neues Gleis verlegt und jeweils vor den Bahnhöfen wieder in den bisherigen Gleisverlauf eingeschwenkt – die Strecke blieb eingleisig. Die Steigung in Höhe der Blockstelle beträgt 10 Promille = 1:100 in Richtung Klostermansfeld.

Gebäudebeschreibung

Die Blockstelle bestand nur aus einem Gebäude. Dieses wurde komplett aus Ziegelsteinen erbaut und im oberen Bereich verputzt. Beide Giebelwände wurden mit Holz verkleidet. Im Untergeschoß wurden nur die Seilzüge geführt und es gab eine Spanneinrichtung (Flaschenzug) zum Einstellen der Signalzüge. Auch die vorgeschriebenen zwei Sh2 – Scheiben wurden hier gelagert. Über eine um das Gebäude laufende Freitreppe erreicht man das Obergeschoß. Auch dieses besteht nur aus dem eigentlichen Stellwerksraum und einem vorgelagertem kleinen Windfang. Der Raum unter der Freitreppe und unter dem Windfang wurde als Kohlenlager genutzt. Seit dem Neubau der Blockstelle Anfang der 20er Jahre wurden die Signale mit einem Kurbelwerk Bauart JÜDEL gestellt. Erst 1976 erfolgte der Umbau auf ein Hebelstellwerk. Die Haupt- und Vorsignale blieben bis zum Rückbau mechanische Signale. Hinter dem Blockstellengebäude stand der Torso eines ehemaligen Läutewerkes. Ob dieses noch von der „ersten“ Blockstelle 136 stammt, ist ungewiss, aber naheliegend. In diesem Läutewerktorso wurden die Gasflaschen für die Beleuchtung der Formsignale aufbewahrt. Ein Toilettenhäuschen aus Holzbrettern auf der Südseite des Gebäudes ergänzte die bauliche Ausstattung.

Die spärliche Inneneinrichtung

Auf der Blockstelle gab es nur eine recht spärliche Innenausstattung. Neben dem Kurbelwerk (bzw. später der Hebelbank) zur Bedienung der Signale gab es einen großen Schreibtisch mit Streckentelefon und BASA-Apparat sowie einen weiteren kleineren Ecktisch. Der übliche kleine Hängeschrank für Vorschriften war ebenso vorhanden wie für jeden der vier planmäßigen Mitarbeiter je ein Kleiderspind. Ein Kachelofen lieferte im Winter wohlige Wärme. Sein Abbau und Ersatz durch einen kleinen Haushaltofen in der Mitte der 80er Jahre wurde von den Mitarbeitern sehr bedauert. Letzte nennenswerte Einrichtung war der verglaste Schrank für die Akkumulatoren der Blockeinrichtung (für den Notbetrieb bei Ausfall der 220 V Stromversorgung).

Der Personalwechsel

Links die Fragmente vom Behelfsbahnsteig

Das die Blockstelle ca. 1,2 km von der Ortschaft Thondorf entfernt lag, gestaltete sich der Personalwechsel schwierig. Über eine Straße, oder besser gesagt Feldweg, gelangt man bis ca. 350 m an die Blockstelle heran. Die restliche Distanz wurde per Trampelpfad am Feldrand bzw. am Gleisrand überwunden. Zumeist reiste das Personal jedoch mit einem regulären Personenzug an. Entweder war im jeweiligen Fahrplan ein „Bedarfshalt x Bk Thondorf“ enthalten oder es wurde ein Halt mittels „Befehl“ angewiesen. Zum Ein- und Aussteigen gab es ca. 60 m von der Blockstelle entfernt (in Richtung Hettstedt) einen kurzen Behelfsbahnsteig, der aus Schienenprofilen und Altschwellen bestand. Der kurze Behelfsbahnsteig befand sich in etwa der Höhe vom ehem. Blocksignal A. Einige Fragmente vom Bahnsteig sind auch 2026 noch vorhanden.

Brennstoffversorgung

In der kalten Jahreszeit mussten regelmäßig Braunkohlenbriketts für den Kachelofen nach Thondorf gebracht werden. Dies geschah stets als Sperrfahrt von Klostermansfeld aus, mit der dort stationierten Kleinlok und einem E-Wagen. Das verbringen der Briketts vom Gleisrand in das Kohlenlagen war dann wieder Aufgabe vom Blockstellenpersonal. Die Asche von besagter Wärmequelle wurde zeit- und transportsparend am gegenüberliegenden westlichen Abhang jenseits des zweiten Gleisplanums entsorgt.

Es werde Licht

Da die Blockstelle über eine Überlandleitung mit 220 V Strom versorgt wurde, gab es auch eine, wenn auch spärliche, Beleuchtung im und am Gebäude. Im Stellwerksraum gab es die übliche indirekte Beleuchtung für die Hebelbank, eine Schreibtischlampe und eine Deckenlampe für „großes Licht“. Außen am Gebäude gab es direkt über der Eingangstür zum Windfang eine Außenlampe, eine weitere Lampe befand sich an der Ecke über der Treppeneckstufe. Und auch am Behelfsbahnsteig gab es eine Außenlampe, an einem Holzmast befestigt.

die nette schwarze Tafel

Von mehreren Lokpersonalen ist überliefert, das es zu den Weihnachts- und Neujahrfesttagen einen netten Gruß vom Personal der Blockstelle gab. Es gab auf jedem Stellwerk eine schwarze Tafel, mit der damals etwa solche Informationen wie „Abstand“ o.ä. mit Kreide aufgeschrieben wurden und dann dem vorbeifahrenden Zug aus dem Fenster gehalten wurden. Auf dieser Tafel wurde auf Bk Thondorf (völlig vorschriftswidrig) „Frohes Fest“ oder „Gesundes Neues“ geschrieben und dem Lokpersonal gezeigt.


* Literatur

# Eisenbahnchronik Mansfelder Land; Thomas Fischer & Sebastian Werner, ISBN 978-3-8446-6432-4, EK-Verlag Freiburg

# Kanonenbahn Berlin – Sangerhausen, Jürgen Krebs, ISBN-10: 3-933178-09-6, Herdam Fotoverlag

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